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SOZIALWISSENSCHAFTEN


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Transparenz als Laienherrschaft

Projektart: HabilitationsprojektDr. Fran Osrecki
Laufzeit: Seit Januar 2017

Forderungen nach Transparenz, d.h. der externen Einsehbarkeit sozialer Prozesse und Strukturen, finden sich auf unterschiedlichen Systembildungsebenen der modernen Gesellschaft – von Interkationen, über Organisationen bis hin zu gesellschaftlichen Funktionssystemen oder Feldern. In meinem Habilitationsprojekt will ich die gegenwärtige soziologische Diskussion um Transparenz mit aktuellen Überlegungen zur Rolle des Laien in der modernen Gesellschaft auf theoretischer und empirischer Basis in Dialog bringen und so auf eine neue konzeptionelle Grundlage stellen. Die Arbeit hat dabei eine dreifache Stoßrichtung. Erstens sollen moderne Transparenzideale einer wissenssoziologischen Analyse zugeführt werden. Hierbei soll nach den sozialstrukturellen Ursachen der positiven Bewertung von Transparenz gefragt und, darauf aufbauend, untersucht werden, wie in gegenwärtigen Transparenzkonzeptionen das Verhältnis von Professionellen und Laien gefasst wird. Es scheint dabei charakteristisch für moderne Transparenzideale zu sein, dass sie tendenziell asymmetrisch gedacht werden: während insbesondere das Handeln in professionellen Rollenzusammenhängen durch externe Einsehbarkeit effizienter, fairer und legitimer gestaltet werden soll, gilt die Intransparenz des Handelns in Laienrollen als schützenswertes Gut. Zudem gelten in modernen Transparenzkonzeptionen gerade am professionellen Handeln unbeteiligte Dritte als ideale Kontrollorgane und Garanten der Transparenz und daran gekoppelter Werte und Normen. Auf dieser Vorstellung aufbauend soll, zweitens, aus einer organisationssoziologischen und sozialtheoretischen Perspektive untersucht werden, welche unbeabsichtigten Folgen es mit sich bringt, wenn soziale Systeme für Dritte (sprich: systemfremde Beobachter) einsehbar gemacht werden. Drittens schließlich soll eine gesellschaftstheoretische Perspektive auf gegenwärtige Transparenzideale entwickelt werden. Anhand historischer Untersuchungen, und unter Zuhilfenahme differenzierungstheoretischer Überlegungen, soll dabei analysiert werden, welche Folgen es hat, wenn das Handeln in Laienrollen (Wähler-, Konsum- und Liebesverhalten), dem Trend zu externer Einsehbarkeit gerade entgegengesetzt, zusehends intransparent und unberechenbar wird – wofür es zahlreiche empirische Hinweise gibt.